PLAN VON WIEN mit Karte von Österreich – Historisches Werbe-Faltblatt der Creditanstalt-Bankverein (ca. 1950er/1960er Jahre)Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um eine mehrteilig gefaltete Publikation, die sowohl als Stadtplan von Wien als auch als Landkarte von Österreich dient. Es ist als hochwertiges Ephemeron der österreichischen Bankengeschichte und des frühen Nachkriegstourismus einzustufen.Herausgeber-Historie: Die Creditanstalt-Bankverein (CA-BV) war über Jahrzehnte das bedeutendste Kreditinstitut Österreichs. Solche Publikationen dienten nicht nur der Kundenbindung, sondern fungierten als Imageträger, die Modernität und Serviceorientierung („stellt ihre Dienste für alle bankgeschäftlichen Transaktionen gerne zur Verfügung“) signalisierten.Physische Beschaffenheit: Hochwertiges Papier mit glatter Oberfläche, im Mehrfarbdruck veredelt. Die Faltung erfolgt im Kreuzbruch- und Leporello-Verfahren, um eine kompakte Taschenform bei maximaler Informationsdichte im ausgeklappten Zustand zu gewährleisten.Analyse der kartografischen und künstlerischen GestaltungDie Publikation zeichnet sich durch eine hybride Ästhetik aus, die zwischen künstlerischer Vedute und funktionaler Kartografie wechselt:Zentralmotiv (Cover): Die Titelillustration zeigt eine künstlerisch ausgeführte Stadtansicht in Aquarell-Optik. Im Vordergrund dominiert das monumentale Gebäude der Creditanstalt-Bankverein in der Schottengasse 6 (Wien I). Der Blickwinkel ist so gewählt, dass im Hintergrund der Stephansdom und die Kuppeln der Innenstadt sichtbar sind, was die Bank architektonisch in das historische Herz Wiens integriert.Innere Stadt (Detailplan): Die Karte der Wiener Innenstadt ist im Maßstab $1:12.500$ ausgeführt. Die Farbgebung (Gelb für verbaute Flächen, Blau für Gewässer, Orange für Hauptverkehrsadern) folgt dem klassischen Wiener Stadtplan-Design jener Ära. Eine rote Markierung hebt die Zentrale der Bank hervor, was den funktionalen Zweck als Orientierungshilfe für Bankkunden unterstreicht.Spezialkarten: Besonders interessant sind die Teilkarten für den „Kahlenberg, Leopoldsberg und Umgebung“ sowie das „Messegelände, Prater, Stadion“. Diese Bereiche waren die touristischen und sportlichen Fixpunkte des Wiener Gesellschaftslebens der 1950er und 60er Jahre.Ikonografie und zeitgeschichtlicher KontextDas visuelle Design ist ein Paradebeispiel für die Corporate Identity der österreichischen Wiederaufbaujahre:Typografie: Die Verwendung von Antiqua-Versalien („PLAN VON WIEN“) kombiniert mit einer eleganten Schreibschrift („mit Karte von Österreich“) vermittelt Seriosität und Tradition. Die serifenlose Grotesk für die Adressdaten am unteren Rand verweist bereits auf die sachliche Moderne.Destinationsmarketing: Die Darstellung Österreichs als Ganzes (Karte im Maßstab $1:1.500.000$) auf der Rückseite zeigt die Einbettung der Bank in das nationale Gefüge. Die Auflistung der Filialen von Bregenz bis Wiener Neustadt dokumentiert die flächendeckende Präsenz und den wirtschaftlichen Einfluss der CA-BV in der Zweiten Republik.Verkehrshistorik: Die Illustration auf dem Cover zeigt Automobile der späten 1950er Jahre (u. a. Formen, die an den VW Käfer oder Mercedes-Ponton erinnern), was eine präzise Datierung in die Ära des Wirtschaftswunders erlaubt.Materialzustand und sammlerische BewertungDer Erhaltungszustand dieses Papierobjekts ist als außergewöhnlich gut zu bezeichnen, insbesondere da Faltpläne naturgemäß hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind:Erhaltung der Falze: Die Knickkanten weisen kaum Einrisse oder Abrieb (sogenanntes „Splitting“) auf. Dies deutet darauf hin, dass das Objekt kaum im aktiven Gebrauch war, sondern als Souvenir oder Archivstück gelagert wurde.Farbechtheit: Die Pigmente sind stabil; es zeigen sich keine signifikanten Vergilbungen durch UV-Einstrahlung oder Stockflecken durch Feuchtigkeit.Provenienz: Das Fehlen von privaten Notizen, Markierungen oder Stempeln (außer den gedruckten Bankinformationen) macht es zu einem „Clean Copy“-Exemplar, was den Wert für Archive und spezialisierte Sammler erhöht.Marktwert-Analyse und Ausblick 2026Während einfache Stadtpläne oft nur geringe Preise erzielen, hebt sich dieses Exemplar durch den Faktor „Banken-Historika“ und die Kombination mit der Österreich-Karte ab.KriteriumBewertungEinfluss auf den WertHistorischer RangDokument der CA-BV-UnternehmensgeschichteHochPhysischer ZustandFast neuwertig (keine Risse/Flecken)Sehr PositivSeltenheitWerbemittel (höhere Auflage, aber selten in diesem Zustand)NeutralMarkttrend 2026Steigendes Interesse an Ephemera der 50er/60er JahrePositivMarkteinschätzung: Für einen spezialisierten Sammler von Wieneriana oder Banken-Memorabilia liegt der Wert aufgrund des makellosen Zustands zwischen 25 € und 45 €. Die Wertsteigerung ergibt sich hier aus der ästhetischen Unversehrtheit des Covers, das sich zur Rahmung eignet.Zusammenfassung für das ArchivDieses Faltblatt ist eine visuelle Zeitkapsel der Wiener Nachkriegsgeschichte. Es vereint kartografische Präzision mit dem repräsentativen Anspruch eines der damals mächtigsten Institute des Landes. Ein exzellentes Belegstück für die grafische Gestaltung und das Marketing der 1960er Jahre in Österreich.Technische DatenKünstler/Herausgeber: Creditanstalt-Bankverein (Kartografie: Freytag-Berndt u. Artaria)Titel: Plan von Wien mit Karte von ÖsterreichTechnik: Mehrfarbiger Offsetdruck auf PapierMaße (gefaltet): ca. 12 × 22 cmMaße (offen): ca. 48 × 66 cmZustand: Sehr gut (Altersentsprechend exzellent)Bedeutung: Kulturhistorisches Dokument der Wiener Stadt- und Wirtschaftsgeschichte
W 03/2026
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