
Nachhaltigkeit ist keine leere Phrase, sondern bedeutet, dass wir alle so handeln, dass zukünftige Generationen eine mindestens genauso lebenswerte Welt vorfinden wie die gegenwärtige.
Nachhaltigkeit spielt in unserem Alltag eine immer wichtigere Rolle und die Nachfrage nach fairen Produkten und Dienstleistungen steigt.
Aber wie sieht es mit nachhaltigen Immobilien aus? Wir verbringen mehr als 80% unserer Zeit in Gebäuden. Nachhaltiges Wohnen und Arbeiten beginnt in einer Immobilie, die unsere Gesundheit fördert und die Umwelt schont.
Aber wie erkenne ich, ob die Immobilie, in der ich meine Wohnung oder mein Büro habe, nachhaltig ist? Dafür gibt es Zertifizierungen, die nachhaltige Gebäude sichtbar und erkenntlich machen, wie beispielsweise das ÖGNI Zertifikat.
Die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) untersucht und bewertet Gebäude anhand der drei Säulen der Nachhaltigkeit. Diese sind Ökologie, Ökonomie und Soziales.
Das heißt ein Gebäude wird hinsichtlich dessen Auswirkungen auf die Umwelt, die Wirtschaft und auf die Gesellschaft über den gesamten Lebenszyklus bewertet.
Der Fokus liegt darauf, wie das Gebäude auf die Natur wirkt. Dazu müssen verschiedene Aspekte schon bei der Planung berücksichtigt werden. Alles fängt mit der Wahl des Grundstücks an. Es wird darauf geachtet wieviel Bodenfläche versiegelt wird, denn was einmal verbaut ist, über das wachsen so schnell keine Bäume oder andere wichtige Nutzpflanzen mehr. Zu bedenken ist, dass die fortschreitende Verbauung unseres Landes unter anderem die Eigenversorgung mit heimischen Lebensmitteln gefährdet sowie mehr als 500.000 Arbeitsplätze entlang der agrarischen Wertschöpfungskette. Dementsprechend befürwortet die ÖGNI, dass Flächen verbaut und effizient genutzt werden, die bereits versiegelt sind, anstatt Neuflächen in Anspruch zu nehmen.
Weiters werden die Herkunft und Gewinnung der Baumaterialien und Rohstoffe überprüft. Sind sie erneuerbar oder endlich? Unter welchen Bedingungen wurden die Materialien hergestellt? Auch die Energie-, Wasser- und Materialeffizienz wird hier in Betracht gezogen.
Die Lebensdauer eines Gebäudes ist ebenfalls ein sehr wichtiges Kriterium. Wird dieses Gebäude auch noch in 70 Jahren den Anforderungen der Gesellschaft und der Umwelt entsprechen? Wurde das Gebäude so konzipiert, damit eine Sanierung leicht möglich ist? Denn das Ziel muss immer sein, Gebäude zu errichten, die nicht in ein paar Jahren wieder abgerissen werden müssen, sondern so flexibel wie möglich den Anforderungen der Zukunft standhalten und wandelbar sind.
Ein Gebäude ist vor allem dann nachhaltig, wenn in der Konzipierung auch der gesamte Lebenszyklus betrachtet wird. Dabei gilt es, den Ressourcenverbrauch zu errechnen, um das Gebäude in Betrieb zu halten und wieviel Abfall am Ende des Zyklus produziert werden würde bzw. noch besser, welche Baustoffe wiederverwendet werden können.
Wirtschaftlich sinnvoll, langfristig kostensparend und mit Blick auf die Investitionen. In Summe sollte ein nachhaltiges Gebäude möglichst wenig risikobehaftet sein. Aus diesem Grund spielen bei einer ÖGNI Gebäudezertifizierung auch ökonomische Kriterien eine wesentliche Rolle. Ein Wunsch vieler Gebäudenutzer:innen: möglichst niedrige Betriebskosten. Bei nachhaltigen Immobilien wird darauf ein besonderes Augenmerk gelegt. Eine gute Wärmedämmung, hochwertige Fenster, intelligenter Sonnenschutz sowie Belüftungssysteme, aber auch effiziente (wassersparende) Sanitäranlagen sorgen, unter vielen anderen nachhaltigen Maßnahmen, für bedeutende Kostenersparnisse für Nutzer:innen.
Im Fokus liegt, dass Gebäude so flexibel wie möglich konzipiert werden und eine möglichst große Umnutzungsfähigkeit eingeplant wird. Beides trägt zu einer möglichst langen Nutzung von Immobilien bei, ohne dass Nutzer:innen öfter um- bzw. ausziehen müssen. In Summe vermindern eine hohe Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit das Risiko, dass Immobilien leerstehen und tragen langfristig zur Verlängerung der Lebensdauer und somit zur Reduzierung der Lebenszykluskosten bei.
Gebäude werden für Menschen gebaut und nur wenn sich der Mensch darin wohlfühlt, kann die Immobilie und Planung als Erfolg verzeichnet werden.
Deswegen muss der Menschen in den Mittelpunkt gesetzt werden, indem eine Immobilie Gesundheit und Komfort fördert sowie die Aufenthaltsqualität erhöht.
Zu den Kriterien, die dabei beachtet werden, zählen unter anderem:
Visueller Komfort: Natürliches Licht wirkt sich positiv auf die psychische und physische Gesundheit des Menschen aus. Darüber hinaus bildet eine gute Tageslichtnutzung ein hohes Energieeinsparpotential für künstliche Beleuchtung und Kühlung.
Akustischer Komfort: Gute akustische Bedingungen sind eine wichtige Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit und die Behaglichkeit der Nutzer:innen. Dabei spielen eine gute Sprachverständlichkeit, geringe Nachhallzeiten und Schallabsorption eine wichtige Rolle.
Innenraumluftqualität: Die Qualität der Raumluft ist in Bezug auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit von Relevanz. Das Gewährleisten einer hohen Raumluftqualität durch den Einsatz emissionsarmer Produkte, die Bereitstellung einer angemessenen Luftwechselrate und Schutz vor zu hoher Raumluftfeuchte erhöht das Wohlbefinden der Nutzer:innen.
Gemeinschaftsräume: Betreute Gemeinschaftsräume fördern das Miteinander und eine langfristige Nutzungsfreude.
Barrierefreiheit: Eine durchgängige Barrierefreiheit soll gegeben sein, sodass ein Gebäude für alle uneingeschränkt und gleichermaßen nutzbar ist.
Weitere Punkte sind Raum für Freiflächen, Kinderspielplätze, eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr und eine gute Nahversorgung.
All diese Faktoren machen eine nachhaltige Immobilie aus, die für die Nutzer:innen einen bedeuteten Mehrwert mit hohem Wohlfühlfaktor bieten.
In der Konzipierung gibt es kein einheitliches Rezept - es müssen immer alle Aspekte betrachtet, bewertet und berücksichtigt werden. Zusammengefasst kann man sagen: ein Gebäude aus den richtigen Materialien errichtet, energieeffizient betrieben, mit konstanten und transparenten Betriebskosten, einer hohen Flexibilität und mit dem Fokus den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, zeichnet eine nachhaltige Immobilie aus.